Stoffwindeln gelten in der heutigen Zeit eher als out und nur wenige Eltern entscheiden sich gegen die Pampers und für die wiederverwendbaren Windeln. Meine Frau und ich gehören zu den Wenigen. Jetzt fragt sich der Leser, warum schreibt Jacko über Stoffwindeln? Stoffwindeln selber passen sicher nicht auf diesen Blog aber da ein Zahnrad dieser Seite das Sparen ist, ist die Thematik doch bestens aufgehoben. Im Selbstexperiment möchte ich einen Vergleich Stoffwindeln vs. Pampers aufstellen und schauen, welcher Weg sich finanziell eher lohnt. Dazu muss ich sagen, dass ich selber unsicher bin, was am Ende dabei rauskommt, da mein Kind erst neun Wochen alt ist.

Meine Hauptmotivation zu den Stoffwindeln ist außerdem nicht der Finanzielle, sondern der Ökologische sowie der Gesundheitliche. Daher stelle ich kurz die Vorteile der Stoffwindeln dar, damit der Leser meine Beweggründe kennt.

Vorteile der Stoffwindeln

Pampers und Co bestehen heutzutage aus sehr viel Kunststoff. Genauer aus Polyethylen, welches aus Erdölderivaten hergestellt wird und nach Schätzungen verfällt es erst nach 300 Jahren vollständig. Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Kind 4000-6000 Windeln, bis es trocken wird verbraucht, kann man sich den Windelhaufen vorstellen. Wenn es verbrannt wird, entstehen dagegen stark klimaschädliche Stickoxide. Es ist also eine ökologische Sauerei! Mehr zur Thematik gibt es u.a. hier zu finden.

Ein weiterer Vorteil der Stoffwindeln ist die Hautfreundlichkeit. Die Baumwollwindeln sind weicher, anschmiegsamer und vor allen atmungsaktiver als die Einwegwindeln. Somit sind die Stoffwindeln weniger reizend für den Baby-Popo. Wichtig ist aber die richtige Wahl des Waschmittels für diese. Parfümfrei und sensitiv sollte es sein, damit der Effekt nicht umgekehrt wird.

Eine wissenschaftlich noch nicht geklärte Annahme spricht vor allem bei Jungs für Stoffwindeln. Durch den hohen Kunststoffanteil und die damit verbundenen schlechtere Atmungsaktivität, erhöht sich die Temperatur am Hoden des Kindes bei Wegwerfwindeln mehr als bei Stoffwindeln. Es wird vermutet, dass dadurch die Spermienanzahl vermindert wird. Da ich einmal Enkel haben will, ist alleine die Vermutung ein klares Argument für die Stoffwindeln.

Das soll erstmal genügen, da es in dieser Artikelserie darum gehen soll, ob Stoffwindeln wirtschaftlicher sind als die Wegwerfwindeln.

Ausgangssituation und Materialien

Am Anfang steht bei Stoffwindeln eine größere Investition, da im Gegensatz zu Wegwerfwindeln fast alles gleichzeitig gekauft werden muss. Meine Frau und ich setzen auf zwei verschiedene Systeme von Stoffwindeln. Dies sind zum einen klassische Mullwindeln (24 Stück) mit Prefolds (10 Stück) als Einlagen und zum anderen verschiedene TotBots (12 Stück) die sehr komfortabel zu bedienen sind.

Zum Überziehen haben wir drei Wollüberhosen von Hessnatur und drei Überhosen aus TPU.

Dies sind vorerst alle Anschaffungen. Dabei ist zu erwähnen, dass uns eine liebe Freundin alle Prefolds, TotBots und TPU-Überhosen zur Verfügung gestellt hat, da ihr Kind aus den kleinen und mittleren Größen rausgewachsen ist. Von daher haben wir als Investitionskosten nur die Wollüberhosen und Mullwindeln. Trotzdem werde ich für die Berechnung alle Investitionskosten einbeziehen.

Die folgende Tabelle zeigt die vollständigen Kosten.

 StückzahlPreisGesamtpreis
Gesamtpreis372,68 Euro
Mullwindeln*
Mullwindeln
249,99 Euro (8 Stück)29,97 Euro
Prefolds*
Prefolds
1028,50 Euro (10 Stück)28,50 Euro
Wollüberhose*
Wollueberhose
315,70 Euro 47,10 Euro
TPU-Überhose*
TPU Überhose
310,99 Euro32,97 Euro
TotBots*
TotBots
1219,52 Euro234,24 Euro

Aktuell sind es also theoretisch 372,68 Euro Investitionskosten. Praktisch haben wir nur 77 Euro an Kosten tatsächlich zahlen müssen.

Laufende Kosten und Vergleich mit Wegwerfwindeln

Zunächst einmal muss ich sagen, dass eine Kostenbestimmung von Wegwerfwindeln nicht so pauschal zu treffen ist. Nutzt man eher Billigwindeln oder die besten Pampers? Kauft man handelsübliche Größen oder riesige Vorratsmengen? Bestellt man die Windeln online oder kauft man sie im Supermarkt? Das sind alles Fragen, die sich ein junges Elternpaar stellen muss. Für die Berechnung gehe ich von den billigsten Pampers aus, die man bei Amazon bestellen kann. Diese kosten 0,17 Euro das Stück und auch hier vernachlässige ich die Versandkosten. Somit ist ein Vergleichswert ermittelt.

Als nächstes heißt es Gedanken machen, welche laufenden Kosten entstehen. Dies sind Strom-, Wasser- und Waschmittelkosten. Wir lassen eine kurze Vorwäsche bei 30° und eine 60° Wäsche durchlaufen.

Meine Waschmaschine soll bei dem gewähltem 60°-Programm satte 50 Liter Wasser verbrauchen und bei der Kurzwäsche 30 Liter. Bei einem Preis von 2,24/m³ (1000 Liter) Wasser ergibt das pro Waschladung 0,18 Euro an Wasserkosten für die 80 Liter.

EnergiekostenmessgerätDie Stromkosten setzen sich aus zwei Faktoren zusammen. Zum einen die Anzahl Kilowattstunden (kWh) und dem Strompreis pro kWh. Nach einem Wechsel des Stromanbieters zahle ich aktuell 25,4 Cent pro kWh. Für die Strommessung habe ich mein Arendo Energiekostenmessgerät* verwendet. Wie erwähnt waschen wir einmal eine Vorwäsche und eine Hauptwäsche. Zudem trocknen wir die Stoffwindeln aktuell im Wäschetrockner. Sicherlich reißt dies das Ergebnis stark nach unten aber, da noch kein strahlender Sonnenschein beim Wetter herrschte, fehlt uns aufgrund der langen manuellen Trocknenperiode, einfach die Zeit darauf zu warten. Mit mehr Windeln ist dies sicherlich möglich. Auf jeden Fall ergaben die Messungen für die Vorwäsche durchschnittlich 0,38 kWh, für die Hauptwäsche 1,24 kWh und für das Trocknen sehr hohe 2,65 kWh. In Summe ergibt dies also 4,33 kWh pro Wäscheladung Stoffwindeln und umgerechnet 1,11 Euro.

Bei den Waschmittelkosten übernehme ich die Ladungskosten pro Wäsche des Herstellers. Wir nutzen das Sensitiv-Waschmittel der Marke „Denk mit“ von DM. Angeben sind dort 0,14 Euro pro Waschladung. Da wir zwei Wäschen benötigen sind dies dann 0,28 Euro.

Die folgende Tabelle zeigt die laufenden Kosten übersichtlich.

 BerechnungKosten pro Waschladung
Gesamtkosten1,54 Euro
Wasserkosten80 Liter / 1000 Liter * 2,24 Euro0,18 Euro
Stromkosten Vorwäsche0,38 kWh * 0,254 Euro0,10 Euro
Stromkosten Hauptwäsche1,24 kWh * 0,254 Euro0,31 Euro
Stromkosten Trocknen2,65 kWh * 0,254 Euro0,67 Euro
Waschmittelkosten 2 Wäschen0,14 Euro * 20,28 Euro

Es entstehen also 1,54 Euro Kosten pro Wäscheladung, wovon sich 44 % einsparen lassen, wenn wir auf den Trockner verzichten würden.

Es stellt sich natürlich die Frage: Wie viele Windeln befinden sich in einer Waschladung? Hier muss ich separieren. Anfangs haben wir täglich gewaschen, da mein Sohn öfter in die Windeln gemacht hat. Somit war täglich eine Wäsche von Nöten, die im Schnitt 12 Windeln beinhaltete. Auf diese Art und Weise haben wir 30 Wäschen durchgeführt. Anschließend mäßigte er sich und wir mussten nur noch alle zwei Tage eine Waschmaschine anschmeißen. Dabei war es uns dann auch möglich die etwas größeren TotBots mit zu nutzen, da der Knirps einfach schon gewachsen ist. Daher waren seit diesem Zeitpunkt durchschnittlich 18 Windeln in einer Ladung. Gestern haben wir davon die Fünfzehnte gewaschen.

Daraus ergeben sich zwei Fakten. Bis zum heutigen Tag haben wir 45 Wäschen durchgeführt und dabei 630 Windeln gereinigt. Alleine diesen Berg von Wegwerfwindeln muss man sich mal vorstellen. Zudem ermöglichen diese Zahlen die bisherigen Kosten zu berechnen.

  1. 45 Wäschen mal 1,54 Euro ergibt eine Gesamtausgabe von 69,30 Euro.
  2. 630 Wegwerfwindeln hätten 107,10 Euro gekostet.
  3. Die Ersparnis bisher beläuft sich auf rechnerisch 37,80 Euro.
  4. Ohne Trockner wäre es eine Ersparnis von 67,95 Euro gewesen. (Kosten 39,15 €)

Es zeigt sich, dass die laufenden Kosten von Stoffwindeln 35 % geringer sind als die der Wegwerfwindeln. Unsere praktischen Investitionskosten von 77 Euro werden wir schnell amortisiert haben aber die theoretischen Investitionskosten von 372,68 Euro sind noch in weiter Ferne.

Zwischenfazit

Dieses Fazit ist unbedingt als Zwischenfazit zu verstehen, da mein Sohn gerade einmal neun Wochen alt ist und noch lange auf die Windelung durch meine Frau und mich angewiesen sein wird. Trotzdem zeichnet sich klar ab, dass die laufenden Kosten der Stoffwindeln gegenüber derer der Wegwerfwindeln weit geringer sind. Die Investition am Anfang darf aber nie außer Acht gelassen werden, da diese amortisiert werden soll innerhalb der Windelzeit eines Kindes. Allerdings halte ich das nach aktuellem Stand für utopisch. 6200 Windeln muss mein Sohn getragen haben, damit dies geschieht, wenn alle Randbedingungen identisch bleiben.

Das Weglassen des Trockners und das konsequente Aufhängen der Windeln würde eine Amortisation bereits nach 3455 Windeln bedeuten. Dies ist schon deutlich realistischer.

Zudem gibt es zu bedenken, dass ein reger Markt für gebrauchte Stoffwindeln herrscht. Bis auf die Mullwindeln wird es nach dem Windelzeitalter auch möglich sein, diese zu veräußern. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja ein zweites Kind, welches die Stoffwindel erneut braucht.

Aber wie anfangs erwähnt, ist meine Hauptmotivation nicht die finanzielle Ersparnis, auch wenn es das Hauptinteresse der meisten Leser hier ist. Vielmehr sind ökologische und gesundheitliche Aspekte die Gründe für das verwenden der Stoffwindeln. Daher sehe ich das Ganze gelassen und freue mich trotzdem, wenn es sich am Ende finanziell gerechnet haben sollte.